Agentic Flooding: Wenn KI-Agenten die Verwaltung mit Einsprüchen überfluten

16.000 Klagen am Arbeitsgericht Berlin in einem halben Jahr. Sozialgerichte verzeichnen über 263.000 Klagen und einen Anstieg der Eilverfahren um 47 Prozent. Ein neues Forschungspapier der Hertie School Berlin liefert einen Namen für das Phänomen dahinter: Agentic Flooding. Gemeint ist die durch KI-Agenten erzeugte Flut an Beschwerden, Einsprüchen und Klageschriften, die Behörden und Gerichte zunehmend unter Druck setzt.

Frank Schönfelder
Senior Marketing Manager

Das Wichtigste in Kürze

  • KI-Agenten können heute in Minuten rechtlich fundierte Einsprüche und Klagen generieren – Behörden spüren das bereits.
  • Digitale Prozesse, Identitätsprüfung und die Automatisierung klarer Routinefälle sind erste Gegenmaßnahmen.
  • Ayunis Core lässt sich gezielt einsetzen, um eingehende Schriftenzu klassifizieren, Routinefälle vorzubereiten und Sachbearbeiter:innen zu entlasten.
  • Ein dedizierter Analyse-Skill macht Mustererkennung aus einer allgemeinen Modellfähigkeit zu einer reproduzierbaren Verwaltungsfunktion.
  • Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen – KI bereitet vor, der Mensch entscheidet.

Was hinter Agentic Flooding steckt

Das Prinzip ist denkbar einfach. Ein Sprachmodell analysiert einen Bescheid, identifiziert angreifbare Stellen, zieht die einschlägigen Paragraphen heran und formuliert einen Widerspruch. Das dauert keine fünf Minuten. Skaliert auf Hunderte oder Tausende gleichartiger Fälle, entsteht ein Volumen, das manuell kaum noch bewältigbar ist.

Das Hertie-Paper dokumentiert 84 potenzielle Fälle in 11 Ländern und stellt fest: Das höchste Risiko liegt bei finanziell attraktiven, komplexen Diensten – Steuern, Sozialleistungen, Förderprogramme. Genau dort, wo Verwaltungen ohnehin schon am stärksten unter Druck stehen.

Die Warnung der Forscher ist berechtigt: Überlastete Stellen könnten mit dem reagieren, was niemandem hilft. Digitale Kanäle schließen. Ablehnungen ohne Begründung. Bürger:innen auf Distanz halten. Das wäre das Gegenteil von dem, was Verwaltungsmodernisierung leisten soll.

Die Antwort liegt nicht in der Abwehr, sondern in der Infrastruktur

Schmitz und seine Co-Autoren sind in ihrer Empfehlung konkret: Verwaltungsdigitalisierung als Fundament, sichere Identitätsprüfung, Automatisierung deterministischer Routinefälle. KI soll beim Erfassen, Validieren und Formalisieren helfen, bevor über Ermessensentscheidungen überhaupt gesprochen wird.

Das deckt sich mit dem, was wir täglich in der Arbeit mit Kommunen erleben. Wer KI produktiv einsetzen will, braucht zuerst saubere Prozesse, zugängliche Daten und klare Zuständigkeiten. Dann wird aus dem Problem ein Werkzeug.

Wie Ayunis Core konkret hilft

Ayunis Core ist eine offene KI-Plattform, die Verwaltungen genau dort einsetzt, wo es wirkt: am Arbeitsplatz der Sachbearbeitung. Kein Selbstläufer, kein Versprechen von Vollautomatisierung, sondern gezielte Entlastung an den richtigen Stellen.

Zwei konkrete Einsatzfelder im Kontext von Agentic Flooding:

1. RAG auf eigene Akten und Regelwerke ("Wissenssammlung" in Ayunis Core)
Wenn ein KI-generierter Einspruch auf eine bestimmte Rechtsnorm verweist, findet Ayunis Core in Sekunden, ob und wie vergleichbare Fälle in der Vergangenheit entschieden wurden – direkt aus dem eigenen Aktenbestand, den eigenen Satzungen und Bescheidvorlagen. Das beschleunigt die Gegendarstellung erheblich und macht Präzedenzfälle für alle Bearbeitenden zugänglich.

2. Entscheidungsvorbereitung für Routinefälle
Bei eindeutigen Fällen – fehlende Fristen, unvollständige Unterlagen, formal unzulässige Einsprüche – bereitet Ayunis Core den Bescheid inklusive rechtlicher Begründung vollständig vor. Der Mensch prüft und bestätigt. Das ist exakt das, was die Hertie-Forscher als erste Abwehrlinie empfehlen: Automatisierung dort, wo die Entscheidung eindeutig ist.

Praxis-Tipp: Ein Skill für die Analyse eingehender Schriftsätze

Eine der stärksten, aber am wenigsten genutzten Möglichkeiten von Ayunis Core ist die Erstellung eigener Skills. Skills sind spezialisierte Assistenten, die für einen konkreten Aufgabentyp konfiguriert werden. Für das Thema Agentic Flooding bietet sich ein dedizierter Schriftsatz-Analyse-Skill an.

Was dieser Skill leistet: Er nimmt einen eingehenden Schriftsatz entgegen und gibt strukturiert Auskunft über vier Dimensionen:

  • Argumentationsmuster: Welche Rechtsnormen werden zitiert? Folgt der Text einem erkennbaren Muster (z. B. bekannte Musterklagen, Serieneinsprüche)?
  • Komplexitätsgrad: Routinefall, Grenzfall oder juristisch komplex mit Ermessensspielraum?
  • Vollständigkeit: Fehlen Fristen, Belege oder Pflichtangaben, die eine formale Ablehnung ermöglichen?
  • Dringlichkeit: Gibt es Fristen oder Eilanträge, die eine bevorzugte Bearbeitung erfordern?

Das Ergebnis ist eine strukturierte Einschätzung, die Sachbearbeiter:innen direkt zur Entscheidungsvorbereitung nutzen können. Mustererkennung ist dabei keine separate Funktion, die extra entwickelt werden muss. Es ist eine inhärente Stärke der zugrundeliegenden Sprachmodelle. Der Skill macht daraus eine reproduzierbare, kontrollierbare Verwaltungsfunktion mit klarem Output.

Solche Skills lassen sich in Ayunis Core ohne Programmierkenntnisse konfigurieren und direkt im Team einsetzen.

Die Reihenfolge entscheidet

Agentic Flooding ist kein Problem, das sich wegdiskutieren lässt. Und es ist kein Problem, das mit mehr Ablehnungen oder geschlossenen Postfächern besser wird. Die Antwort liegt in einer Verwaltung, die mit denselben Werkzeugen arbeitet, die außen eingesetzt werden – nur gezielter, strukturierter und mit klarer menschlicher Kontrolle über die Entscheidung. Verwaltungsdigitalisierung ist kein Heilmittel gegen KI-Angriffe, lässt Kommunen aber weiterhin handlungsfähig bleiben.